Fördermaßnahmen in der Schule vs. Reform?

Einen Test scheibende Jugendliche las Symbol für Fördermaßnahmen.

Wenn Bildungsminister Faßmann über die Frage spricht, wie man den Schülern von heute die Basiskenntnisse Schreiben, Lesen, Rechnen beibringen kann, so ist das bemerkenswert.

http://tvthek.orf.at/profile/Report/11523134/Report/13969598/Bildungsminister-Fassmann-OeVP-im-Gespraech/14264458

Denn Faßmann meint, diesem grundsätzlichen Problem solle man mit speziellen Fördermaßnahmen (Förderkursen)  beikommen. Wohlweislich, hier geht es nicht um Integrationsmaßnahmen, die man mit spezifischen Deutsch-Förderkursen, verstärken will, sondern um Schüler mit oder ohne Migrationshintergrund, die nach Pflichtschulabschluss immer noch immer nicht sinnerfassend Lesen, entsprechend Schreiben oder Rechnen können. Hier geht es daher auch um jene Grundkenntnisse der Mathematik und Deutsch, die in vielerlei Berufen Voraussetzung für eine Anstellung bzw. eine Karriere sind. Und dabei sprechen wir noch gar nicht über die anderen Kenntnisse, die man sich in solchen Berufen wünschen würde, wie zB Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere in Englisch. Man möchte meinen – eine Selbstverständlichkeit.

Aber die österreichischen Betriebe erleben eine andere Realität. Das ist insbesondere in Anbetracht des Anspruches des Unternehmensstandortes Österreich, der von sich behaupten kann, über besonders gut ausgebildete Arbeitskräfte zu verfügen, von immenser Bedeutung. Aber das scheint mit dem derzeitigen Bildungssystem nicht gewährleistet. Und abgesehen von der persönlichen (und nicht zu vernachlässigenden) Misere junger Menschen, die in Mathematik, Deutsch und/oder Englisch Defizite haben, die sie an der Erreichung ihres Berufswunsches hindern, schlägt dieses Problem daher auch sofort auf einen der bisherigen Standortvorteile Österreichs durch.

Der Grund, warum sich der Standort bisher noch so gut hält, liegt u.a. wohl auch darin, dass heutzutage ein großer Teil dieser zusätzlich erforderlichen Unterstützung in Form von privat finanziertem Nachhilfeunterricht, durch unternehmerische Initiativen, wie die ebenfalls in dem Artikel genannte „Spar-Akademie“ geleistet wird. Damit kann versucht werden, das notwendige Bildungsniveau zu erhalten, ideal ist es aber nicht, solche wesentlichen Aspekte nur der Privatinitiative zu überlassen. Fördermaßnahmen – wenn wir Minister Fußmann  richtig verstehen – erscheinen uns hier auch nur als ein “Tropfen auf den heißen Stein“. Denn Förderungen sind immer etwas Punktuelles und können hochgefahren oder auch wieder zurückgenommen werden.

Vielmehr sollte man wohl darüber nachdenken den Unterricht in Mathematik und Deutsch, sowie Englisch grundsätzlich zu reformieren, sich neue Unterrichtsmethoden zu überlegen, die solche Gegenstände den Kindern wieder näher bringen und den Spaß am Lernen verstärken. Denn immer noch ist die Motivation wohl der beste Grant für gutes Lernen, das insbesondere in Fächern wie Mathematik und Deutsch, die immer wieder als wenig interessant verschrien sind. Das betrifft aber nicht nur die Grundkenntnisse. Sieht man sich die Pisa-Ergebnisse an, dann sind auf allen Schulstufen Reformen wünschenswert und dabei wird man sich wohl auch mit einer verstärkten Verwendung neuer Medien, aber auch mit Workshops und spielerischem Lernen in Kleingruppen auseinandersetzen müssen.

Dass es dann immer noch individueller Förderungen und Nachhilfe geben wird, ist wohl nicht zu bezweifeln. Aber die Basis ist dann schon ganz woanders…